Talk Lehre 2019 – Internationalisierung der Lehre

  Personen sitzen auf Stühlen Urheberrecht: Andreas Schmitter

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Michael Heuters

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Am 4. Juni 2019 fand im SuperC (6. Etage) zum neunten Mal der Talk Lehre statt. Das Schwerpunktthema war in diesem Jahr die Internationalisierung der Lehre.

Der Rektor der RWTH Aachen, Professor Ulrich Rüdiger, eröffnete die von circa 180 Personen besuchte Veranstaltung. In seinem Grußwort stellte er den Anspruch der Hochschule heraus, den Studierenden eine bestmögliche Vorbereitung für ein Leben in einer global vernetzten Welt zu gewährleisten. Die gelebte Internationalität an der RWTH zeigt sich in einer Reihe von Strategien, Maßnahmen und Serviceleistungen zur Förderung der Internationalität von Studium, Lehre und Forschung, die auch in die Internationalisierungsstrategie der Hochschule eingeflossen sind.

Der AStA-Vorsitzende, Jannis Koesling, hob hervor, dass die Lehre an RWTH Aachen einen hohen Stellenwert einnimmt. Er zeigte sich optimistisch, dass die Herausforderungen im Bereich der Internationalisierung der Lehre (zum Beispiel Sprachenförderung, Auflagenmodule, Mobilität) gelöst werden. Die Belange der Studierenden finden durch die Einbindung in die Qualitätssicherungsinstrumente jederzeit Gehör.

Im Anschluss an die Grußworte stellte Moderator Dr. Frank Hees das Tagungsprogramm vor und moderierte im weiteren Verlauf die Diskussionsrunden zu den verschiedenen Vorträgen.

  Mann am Podium Urheberrecht: Andreas Schmitter

Professor Bernd Scholz-Reiter, Rektor der Universität Bremen und HRK-Vizepräsident für Internationale Angelegenheiten, referierte als externer Gast zum Thema „Internationalisierung der Lehre: Mehr als nur Englisch!“. Die Hochschulen stehen hinsichtlich der Internationalisierung in den kommenden Jahren vor einem großen Wandel und Paradigmenwechsel. Dies erfordert eine intensive Auseinandersetzung über die Positionen und Rahmenbedingungen, da sich dieser Wandel nicht nur alleine auf die Lehre beschränkt, sondern auch Serviceeinrichtungen oder die Hochschulverwaltungen betroffen sein werden. Der Anteil, der im Ausland Studierenden muss zukünftig noch deutlich gesteigert werden, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und den Menschen globale Perspektiven zu bieten. Dazu sind eine entsprechende Sprachenförderung, fächerspezifische internationale Curricular sowie Vernetzungs- und Kooperationsprogramme nötig. Dies alles muss in eine zeitgemäße Lehre, die den Lebenswirklichkeiten der Studierenden angepasst wird, einfließen.

Die Prorektorin für Internationales der RWTH Aachen, Professorin Ute Habel, berichtete anschließend über die Internationalisierungsstrategie der RWTH. Die Hochschule verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz, der die kontinuierliche Implementierung und Verzweigung in allen Bereichen der Hochschule zum Ziel hat. Mit international orientierten Maßnahmen soll die Qualität von Forschung und Lehre gesteigert werden und damit zur Reputation und besseren Sichtbarkeit der RWTH Aachen im nationalen und internationalen Umfeld beitragen. Dazu werden beispielsweise internationale strategische Partnerschaften und Kooperationen mit dem Ziel gegründet, gemeinsam innovative Lösungsansätze und Spitzentechnologien zu entwickeln, um den globalen Herausforderungen zu begegnen. Die Internationalisierung der Lehre soll unter anderem durch T.I.M.E. Doppel-Abschluss-Programme, englischsprachige Studiengänge oder UNITECH International gefördert werden. Für die Incomings und Outgoings (Studierende, Promovierende, Postdocs, Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler) gibt es umfangreiche Betreuungs-, Förder- und Informationsangebote, um die Mobilität auf allen Ebenen zu fördern.

  Personen mit Urkunden in den Händen Urheberrecht: Andreas Schmitter

Auszeichnung der RWTH Lecturer 2019

Mit dem RWTH-Lecturer 2019 wurden in diesem Jahr Dr. phil. Andrea Philipp (Lehrstuhl und Institut für Psychologie) und Dr. Steffen Jöris (Lehr- und Forschungsgebiet Biblische Theologie) geehrt. Die Preisträgerin und der Preisträger zeichnen sich durch hervorragende Lehrtätigkeiten bei gleichzeitigem Engagement in der Forschung aus. Dr. Philipp setzt im Rahmen ihrer Lehrveranstaltungen auf verschiedene kreative Lehrformen (zum Beispiel Podiumsdiskussionen) und fordert das kritische Denken ihrer Studierenden heraus. Sie möchte dabei das Bewusstsein der Studierenden für die Vermittlung und Beurteilung von wissenschaftlichen Ergebnissen schärfen. Dr. Jöris reformierte auf innovative Weise den Lehramtsstudiengang und setzte dabei wesentliche Akzente für dessen Neustrukturierung und -ausrichtung. Darüber hinaus entwickelte er neue Studiengangkonzepte. Neben der Umsetzung neuer didaktische Lehrkonzepte entwickelt er zusätzlich neue innovative Lehrformate. Professorin Doris Klee, Prorektorin für Personal und wissenschaftlichen Nachwuchs, zeichnete die Preisträgerinnen und Preisträger aus.

RWTH Lecturer 2019
Dr. Steffen Jöris

Lehr- und Forschungsgebiet Biblische Theologie

Dr. phil. Andrea Philipp Lehrstuhl und Institut für Psychologie
  Menschen schauen sich Poster an Urheberrecht: RWTH Aachen

Posterausstellung zu ausgewählten Projekten

In der Pause konnten sich die Teilnehmenden im Rahmen einer Posterausstellung über eine Vielzahl von hochschulinternen Best-Practice-Projekten, Service- und Informationsangeboten aus dem Bereich Internationalisierung der Lehre informieren. Die Ausstellung bot Gelegenheit zur regen Diskussion und zum gemeinsamen Austausch.

Best-Practice Beispiele aus der Internationalisierung der Lehre

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurden anhand weiterer Präsentationen ausgewählte Projekte und Best-Practice-Beispiele der RWTH vorgestellt.

Dr. Henriette Finsterbusch (International Office) präsentierte in Ihrem Vortrag „World class means worldwide – Ausgewählte Programme des International Office” mit der IDEA League und dem Undergraduate Research Opportunities Program (UROP) zwei zentrale Projekte aus dem Bereich der Internationalisierung vor. Die IDEA League ist ein Zusammenschluss führender technischer Universitäten Europas (RWTH Aachen, TU Delft, Politecnico Mailand, ETH Zürich, Chalmers University of Technology). Sie setzt sich unter anderem neben der Internationalisierung der Lehre auch für vergleichbare Studienstrukturen und eine qualitativ hochwertige Ingenieurausbildung basierend auf europäischen Werten ein. Im Rahmen der IDEA-League werden beispielsweise Summer Schools, Doctoral Schools oder gemeinsame Studiengänge (M.Sc. Applied Geophysics) angeboten. Mit UROP besitzt die RWTH ein strukturiertes Forschungsprogramm für Bachelor-Studierende, das speziell das Konzept der forschungsorientierten Lehre aufgreift. Studierende erhalten frühzeitig einen Einblick in aktuelle Forschungsfragen sowie die praktische Anwendung von theoretischem Wissen. In drei Programmlinien haben sie somit die Möglichkeit, nicht nur interkulturelle Kompetenzen aufzubauen, sondern sich vielmehr ein internationales Netzwerk aufzubauen und frühzeitig Klarheit über den weiteren Studienverlauf und -schwerpunkte zu erhalten.

  Mann spricht vor Publikum Urheberrecht: RWTH Aachen

Der „European Mining Course (EMC)“, vorgestellt von Professor Bernd Lottermoser (Lehrstuhl für Nachhaltige Rohstoffgewinnung), ist ein länderübergreifendes Studienprogramm, das von drei führenden technischen Universitäten in Europa (RWTH Aachen Alto University in Helsinki und der TU Delft) veranstaltet wird. Das Programm wurde bereits 1996 in Aachen gegründet. Ziel ist die Ausbildung von Bergbauingenieuren, die weltweit im Bereich der Rohstoffgewinnung und des Bergbaus dringend gesucht werden. Neben Teilnehmerinnen und Teilnehmern dieser drei Hochschulen nehmen jedes Jahr eine Reihe von Gästen aus Europa und der Welt am EMC teil, um gemeinsam die Welt des Bergbaus auf eine vielseitige und anspruchsvolle Weise kennen zu lernen. Für den Studiengang wurde ein integriertes internationales Curriculum erarbeitet. An den Stationen Helsinki, Aachen und Delft werden die unterschiedlichsten Themenbereiche behandelt, von Gebirgsmechanik zu Geostatistik, Projektmanagement und Rohstoff-BWL. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Absolventinnen und Absolventen von den drei Universitäten einen Tripleabschluss und starten so mit einem internationalen Zeugnis ins Berufsleben. Für die Studierenden wurde von der Organisation von Unterkünften über die Durchführung von Exkursionen und Events bis hin zur intensiven Betreuung vor Ort eine entsprechende Willkommenskultur etabliert. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Industriepartnern, die sich mit Gastdozierenden an dem Studiengang beteiligen und Spenden für die Deckung der Studiengebühren bereitstellen.

Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund durch Bildung in die Gesellschaft zu integrieren, ist eine wichtige Aufgabe, der sich die RWTH bereits seit einigen Jahren in mehrere Projektvorhaben gemeinsam mit verschiedenen Partnern (Fachhochschule Lübeck, Kiron Open Higher Education) widmet. Dr. Anja Fitter (Medien für die Lehre) beschrieb in ihrem Vortrag „Integration von Geflüchteten in das Hochschulstudium“ anschaulich zielgruppenspezifische Probleme und Gegebenheiten internationaler Studierender und Studierender mit unterschiedlichem Hintergrund und stellte verschiedene Lösungsansätze vor. Diese sollen vor allem durch Maßnahmen zur Personalisierung des Hochschuleinstiegs durch Digitalisierung umgesetzt werden. Ziel ist es, im Bereich digitale Hochschulbildung Angebote zu entwickeln, um internationalen Studierenden den Studieneinstieg und eine informierte Entscheidung über ihren Bildungsweg zu erleichtern. Thematische Schwerpunkte sind dabei unter anderem Studienorientierung, Studienvorbereitung- und -einstieg sowie der Hochschulzugang und alternative Bildungswege. Mit Hilfe digitaler Lehr- und Lernszenarien sowie der Überarbeitung didaktischer Lernmaterialien sollen zudem kontinuierliche Lernprozesse gefördert werden.

Die sinnvolle Verknüpfung von Internationalisierung und Digitalisierung im Sinne eines professionellen IT-Projekt- und Servicemanagements wurde im abschließenden Vortrag „Internationalization meets Digitalization – Projekte und Entwicklungen im Kontext Studierendenmobilität“ von Florin Hilfinger (International Office) thematisiert. Studierende, die im Ausland einen Abschluss oder Credit Points erwerben möchten, sind häufig noch mit intransparenten und informellen Zulassungs- und Anerkennungsverfahren konfrontiert. So finden sich heterogene Bearbeitungsprozesse und Datenstrukturen und die Informationen zu Studiengängen und Modulen sind meist nur über die jeweiligen Hochschulen verfügbar. Um diese Prozesse zukünftig deutlich zu vereinfachen, werden an der RWTH in Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen, dem DAAD und dem BMBF verschiedene Maßnahmen und Projekte umgesetzt. Über ein webbasiertes Anerkennungstool sollen zukünftig die digitale Antragsstellung, die digitale Unterstützung der Verwaltungsprozesse und die Bereitstellung von Informationen umgesetzt werden. An der RWTH soll darüber hinaus ein zentraler EMREX-Prototyp entwickelt werden, damit in Zukunft der Austausch strukturierter maschinenlesbarer Dokumente möglich gemacht werden kann. Diese technische Infrastruktur soll in den nächsten Jahren zunächst in enger Kooperation mit ausgewählten internationalen Partnern und im Rahmen transnational verschränkter Curricula und Studienangebote getestet werden. Sämtliche Maßnahmen zielen darauf ab, die einzelnen Prozesse transparenter, und nachvollziehbarer zu machen. Die Entwicklung neuer IT-gestützter Prozesse oder Veränderung vorhandener Prozesse soll gleichzeitig den Arbeitsaufwand für Studierende, Fakultäten und Hochschulverwaltung reduzieren.

Zum Abschluss des Talk Lehre zogen Professor Aloys Krieg (Prorektor für Lehre) und Aline Nüttgens (AStA Lehre und Kommunikation) ein positives Resümee der Veranstaltung und bedankten sich bei allen Vortragenden.

Die Vorträge des Talk Lehre 2019 stehen als PDF am Seitenende unter Downloads zur Verfügung.